Landesbetrieb Wald und Holz NRW
- Obere Jagdbehörde -
Münsterstraße 169 - 40476 Düsseldorf

05.03.2009
Aktenzeichen:      J.3-16.04.00.05-01/08
Frau Schilling

An die
Unteren Jagdbehörden

Befristete Aufhebung des § 19 Abs. 1 Nr. 2 b) Bundesjagdgesetz

 

I. Hiermit wird in Nordrhein-Westfalen in den Kreisen und kreisfreien Städten mit Schwarzwildvorkommen nach § 19 Abs. 3 Landesjagdgesetz Nordrhein-Westfalen (LJG-NRW) in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. Dezember 1994 (GV. NRW. S. 622), zuletzt geändert durch Artikel IV des Gesetzes vom 19. Juni 2007 (GV.NRW. S. 226), das Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 2 b) Bundesjagdgesetz (BJG), auf Schalenwild mit Büchsenpatronen unter 6,5 mm zu schießen, für Frischlinge bis zu einem Gewicht von 15 kg (aufgebrochen) aufgehoben. Die Büchsenpatronen müssen eine Auftreffenergie auf 100 m (E 100) von mindesten 1000 Joule haben.

II. Diese Verfügung ist befristet bis zum 31.03.2013.

III. Diese Verfügung kann jederzeit widerrufen werden, wenn die Voraussetzungen für die Einschränkung des Verbotes entfallen.


I.
Der Entscheidung liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Die Schwarzwildbestände in Nordrhein-Westfalen haben im Hinblick auf die Wildschadenssituation und die Gefahr neuer Ausbrüche von Schweinepest (ESP) ein Ausmaß erreicht, das effektive Maßnahmen zur Verhinderung eines weiteren Anstiegs der Population bzw. zur lokalen Reduktion notwendig macht. Die hierzu notwendigen Abschüsse müssen nicht nur zahlenmäßig ausreichen, sondern auch richtig gegliedert sein. Der Anteil der Frischlinge an der Gesamtstrecke muss 80 % betragen. Frischlinge müssen daher bei jeder sich bietenden Gelegenheit erlegt werden.
Um diese Vorgabe zu erreichen, ist der ganzjährige Abschuss auch von nicht verwertbaren Frischlingen erforderlich. Dieser wird durch das Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 2 b) BJG unnötig behindert. Die sog. kleine Kugel reicht aus, um schwache Frischlinge tierschutzgerecht zu töten.
Die Regelung trägt dazu bei, Hemmungen beim Abschuss nicht verwertbarer Frischlinge abzubauen; denn viele Jägerinnen und Jäger lehnen es aus ethischen Gründen ab, mit der sog. großen Kugel auf solche Frischlinge zu schießen.

II.
Gem. § 19 Abs. 3 LJG-NRW kann die Obere Jagdbehörde in Einzelfällen die Verbote des § 19 Abs. 1 BJG mit Ausnahme der Nummer 16 im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit, im Interesse der Sicherheit der Luftfahrt, zur Abwendung erheblicher Wildschäden, zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt sowie zu Forschungs- und Versuchszwecken zeitweise einschränken und damit auch das Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 2 b) BJG, auf Schalenwild mit Büchsenpatronen unter einem Kaliber von 6,5 mm zu schießen.

Um eine intensivere Bejagung aufgrund der vorgenannten Gründe sicherzustellen, ist es erforderlich, vom Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 2 b) BJG bis zum 31.03.2013 abzuweichen. Das Abweichen ist vertretbar, weil die Wirkung der zugelassenen Büchsenpatronen ausreicht, um Frischlinge bis 15 kg (aufgebrochen) tierschutzgerecht zu töten. Die Frist unter Ziffer II war auf den 31.03.2013 festzusetzen, da mit einer kurzfristigen Entspannung der Schwarzwildsituation im Lande nicht zu rechnen ist.

 

Im Auftrag
gez. Schilling

 

Damit wird der Erlass von Ende Oktober 2008 unter dem Aktenzeichen (Az: J.3-16.04.00.05-01/08) dahingehend geändert, dass jetzt nicht mehr die .22 Hornet mit einer Auftreffenergie von E100 450 Joule ausreicht, sondern analog zum Rehwild die .222 Rem. mit E100 1000 Joule zu verwenden ist !!!!Ho.

Aktualisiert (Samstag, 18. September 2010 um 06:18 Uhr)